„Ad-libitum-Tränke“
„Viel hilft viel“- Erfolgreiche Kälberseminare an der LandwirtschaftsAkademie Töging

Dass die ersten Lebenswochen eines Kalbes über die spätere Leistungsfähigkeit der Milchkuh entscheiden, ist in der Landwirtschaft kein Geheimnis. Doch wie man dieses Potenzial optimal ausschöpft, war Thema zweier Intensivseminare am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging.
Insgesamt 67 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich Mitte Januar sechs Stunden lang über modernste Erkenntnisse der Kälberfütterung. Als Referent konnte das AELF Töging mit Unterstützung des vlf Altötting-Mühldorf einen renommierten Experten gewinnen: Dr. Hans-Jürgen Kunz vom Lehr- und Versuchsgut Futterkamp in Schleswig-Holstein. Der promovierte Agrarwissenschaftler, der erstmalig 2010 in Töging referierte, brachte neue wissenschaftliche Belege für eine Strategie mit, die in vielen Ställen noch als ungewöhnlich gilt: die „Ad-libitum-Tränke“ (Tränke zur freien Aufnahme).
Sätigung nur durch uneingeschränke Milchaufnahme
Dr. Kunz‘ wichtigste Botschaft: Die alte Empfehlung, Kälber restriktiv zu tränken, sie früh von der Milch zu entwöhnen und zum Wiederkäuer zu erziehen, gilt als überholt. In den ersten Lebenswochen können Kälber Heu oder Kraftfutter noch gar nicht effizient verwerten, da ihnen die nötigen Enzyme fehlen. „Nur durch die uneingeschränkte Aufnahme von Milch erreichen die Tiere eine echte Sättigung“, so Dr. Kunz. Wer die Milchmenge künstlich begrenzt, riskiert Hungerstress und ein geschwächtes Immunsystem. In der Natur saugt das Kalb anfangs bis zu elfmal täglich. Für einen Liter Milch benötigt das Kalb an der Kuh ca. drei Minuten, während restriktiv getränkte Kälber dies in nur einer Minute erledigen müssen. Erst ab der siebten Lebenswoche sollte das schrittweise Abtränken beginnen.
Metabolische Programmierung
Ein weiterer Schwerpunkt war die „metabolische Programmierung“. Damit ist gemeint, dass die Weichen für ein gesundes Kuhleben in den ersten Lebenswochen nach der Geburt gestellt werden. Hier spielt die Biestmilch (Kolostrum) eine wichtige Rolle. Als erste Muttermilch ist sie genau auf die Bedürfnisse des neugeborenen Kalbes abgestimmt. Sie liefert nicht nur Energie, sondern auch die überlebenswichtigen Immunglobulinen und weiße Blutkörperchen für das entstehende Immunsystem des Kalbes. Das Ziel lautet hier: Schnell und viel Biestmilch! Da die Durchlässigkeit der Darmwand für Immunglobuline nach der Geburt stetig abnimmt, muss das Kalb so früh wie möglich versorgt werden.
Riesiges Interesse an praktischer Umsetzung
Doch noch heute gibt es erhebliche Vorbehalte gegen die Ad- libitum-Tränke. Nur ein kleiner Teil der anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Kälberseminare wendet diese Strategie bereits an. Trotzdem war das Interesse an der praktischen Umsetzung riesig, denn das Fazit des Seminars lautet: Eine Investition in die ersten Lebenswochen zahlt sich durch langlebige und leistungsstarke Kühe mehrfach aus.
Ansprechpartnerin für Kälber- und Jungviehaufzucht
AELF Töging a.Inn
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