Wege zur Antibiotika-Minimierung und zum selektivem Trockenstellen
Antibiotika in der Milchviehhaltung: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Beim Vortragsabend im März 2026 des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging gemeinsam mit dem vlf Altötting-Mühldorf informierten sich 33 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter über „Möglichkeiten und Grenzen der Antibiotika-Minimierung bei Milch-kühen am Beispiel der Eutergesundheit“. Referent war Prof. Dr. Rolf Mansfeld von der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Antibiotika sind in der Human- wie in der Tiermedizin unverzichtbar. Gleichzeitig gefährden Resistenzen ihre Wirksamkeit. Um den Antibiotikaeinsatz auf das therapeutisch not-wendige Mindestmaß zu reduzieren, wurde 2014 das nationale Antibiotika-Minimierungskonzept im Tierarzneimittelgesetz verankert. Ziel ist es, den Einsatz verantwortungsvoll und gezielt zu steuern.
Tierhalter und Tierärzte haben ihre Hausaufgaben gemacht
Dass die Anstrengungen Wirkung zeigen, belegen aktuelle Zahlen: Von 2011 bis 2022 sank der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung bundesweit um 68 Prozent – von 1.706 Tonnen auf 540 Tonnen. „Tierhalter und Tierärzte haben ihre Hausaufgaben gemacht“, betonte Prof. Mansfeld. In der Milchviehhaltung spielt der Antibiotikaeinsatz im Vergleich zu Geflügel- und Schweinehaltung eine eher untergeordnete Rolle.
Trockensteller nur gezielt einsetzen

Selektives Trockenstellen ist eine Erfolgsgeschichte
Kernstück von RAST ist ein dreistufiger Entscheidungsbaum anhand dessen entschieden werden kann, ob eine Antibiotikagabe notwendig ist. Die Ergebnisse des Projekts sind deutlich: Im Durchschnitt konnten rund 39 Prozent Antibiotika eingespart werden – bei großen einzelbetrieblichen Unterschieden. Gleichzeitig zeigten sich keine signifikanten Nachteile bei Neuinfektionen, Heilungsraten oder Euterentzündungen in der Folgelaktation. Prof. Mansfeld zog eine positive Bilanz: Das selektive Trockenstellen ist eine Erfolgsgeschichte und grundsätzlich für jeden Milchviehbetrieb geeignet. Voraussetzung ist jedoch eine gute Eutergesundheit im Tierbestand. Betriebe sollten klare Kennzahlen im Blick behalten, etwa einen Anteil eutergesunder Tiere von mindestens 75 Prozent, eine niedrige Neuinfektionsrate während der Trockenstehzeit sowie hohe Heilungsraten.
Tierschutz setzt die natürliche Grenze
Entscheidend für den Erfolg ist die enge Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt im Rahmen der integrierten tierärztlichen Bestandsbetreuung. Dazu gehört auch die konsequente Behandlung akuter Erkrankungen. Bei aller Minimierung gilt jedoch: Der Tierschutz setzt die natürliche Grenze. Ein vollständiger Verzicht auf Antibiotika ist weder realistisch noch im Sinne des Tierschutzes zu verantworten. Ziel bleibt der sachgerechte, notwendige und möglichst geringe Einsatz.

